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Hartmann-Lehrer wäre heuer 100 geworden


Hartmann-Lehrer wäre heuer 100 Jahre alt geworden!

Ein kleiner Rückblick auf sein Leben, die Prägung der Jahrmarkter Schule, seine außerschulischen Tätigkeiten als kultureller Beitrag zur Entwicklung unseres Ortes! Der Mensch Franz Hartmann steht als zielstrebiger, geradliniger, strenger Pädagoge seiner Zeit. Die geschichtlichen Ereignisse stellten den jungen Lehrer vor viele Aufgaben, die er mit Bravour löste. Krieg und Vertreibung blieben ihm nicht erspart. Aus seinem erfüllten Leben und Wirken als Lehrer mit Leib und Seele soll unseren Landsleuten und ihm als Dank dieses Erinnerungszeichen gesetzt werden.

Erntedankfest 1934 in Jahrmarkt, Lehrer Franz Hartmann
Mit realistischer Denkweise und einfühlsamen Eigenschaften hat er sich vorbildlich für Jahrmarkt eingesetzt und selbst mitgemacht. Angefangen von dem großen Erntedankfest von 1934, von dem unsere Eltern und Großeltern immer wieder erzählten. Das Motto „Unser tägliches Brot gib uns heute“, entsprechend der damaligen Zeit, wo die Scholle des Bauern einziges Ziel war. Organisiert und geleitet wurde es von Frau Schuld und Lehrer Franz Hartmann. Teilnehmer waren: Jugendverein, Mädchenkranz und Frauenverein, Musikkapelle und Feuerwehr. Die Kolonne der allegorischen Bauernwagen versammelte sich auf der „Insel“ vor dem Schuld-Haus. Auf der Kreuzung der Fahrwege vom Bahnhof Alte Gasse, Lothringen und Sicknisch-Gasse-Hauptgasse bei der Apotheke stand ein großes Holzkreuz, (das 1944 entfernt wurde). Ein Ährenkranz wurde in der Kirche geweiht und führte den Zug an. Jeder Wagen hielt an der Kirche einzeln an, Jungen und Mädchen sagten der Ernte entsprechende Verse auf. Josef Müller konnte seinen bis ans Lebensende und überlieferte mir folgende Zeilen!
Freudig ziehen wir vom Felde, der Heimat und dem Herd zu.
Nun ist die Sense überflüssig, die müden Hände haben Ruh!
Der Umzug war so gestaltet, dass man die Entstehung des täglichen Brotes gut nachvollziehen konnte, vom Pflügen über die Aussaat, die Ernte bis zur Mühle, vom Bäcker bis auf den Tisch. Lehrer Franz Hartmann führte den Zug an und hielt zwei Festreden, eine auf der Insel und eine vor der Kirche. Ein ähnliches Trachtenfest gab es 37 Jahre danach, 1971, mit dem Titel „Die Einwanderung der Schwaben ins Banat“.

Banatia Temeswar
Theater in der Banatia, Minna von Barnhelm, von Lessing, 1930
Franz Hartmann als Wachtmeister Werner

Schule empfindet jedes Kind anders, Schule aber bleibt für alle ein spannendes Erlebnis, das durch einen Lehrer lebendig wird. Als Lehrerehepaar wurde der Verdienst an Jahrmarkts Schule verdoppelt, Frau Anna Hartmann war Jahrzehnte lang eine bedeutende Lehrerin an unserer Schule.

Schule Jahrmarkt, Eingang
Schule mit Feuerwehrturm von der Altgass gesehen

Franz Hartmann kam 1933 nach Jahrmarkt. Sein Interesse an der Schule war groß, aber auch die Gemeinde und ihre Entwicklung lagen ihm am Herzen. So kam es, dass er schon anfangs Lehrlinge und Handwerker zusätzlich abends ausbildete. Im Sport sah er eine wichtige Tätigkeit in der Entwicklung zu einem gesunden Leben. So förderte er den Fußballverein, das Kegeln und die Feuerwehr. Am Bau des neuen Feuerwehrturms war er wesentlich beteiligt und in seiner Anfangszeit selbst noch aktiver Feuerwehrmann. Es war ihm auch ein Anliegen, die Schüler in Sommerferienlager zu beschäftigen und zu betreuen. Das Volkslied wurde mit viel Freude weiter gegeben. 1939 wurde er zum Schuldirektor ernannt.

Die Zeit der Verschleppung bis 1949 war für ihn und die Familie eine bittere Zeit, die Kinder blieben bei den Großeltern und seine Frau Anna wurde auch nach Russland deportiert, von wo sie 1947 entlassen und nach einem Arbeitsunfall nach Thüringen gebracht wurde. Bis 1949 war sie daher Lehrerin in Mühlhausen. Vor und nach ihrer Russland-Zeit war Anna Hartmann (geborene Pless aus Sackelhausen) auch in außerschulische Tätigkeiten eingebunden: Gemeindehilfe, Bibliothekarin und Aufklärungsarbeit waren ihr Anliegen. Vor allem aber Kinder vorbereiten für die Anforderungen des Lebens, stabil und leistungsfähig zu erziehen.
Drei Kindern schenkte sie das Leben, zwei Töchtern, die beide anerkannte Erzieherinnen im Banat und in Deutschland waren. Herbert wurde ein berühmter Techniker, der in Temeswar im Rechenzentrum „Institut pentru Technica de Calcul“ zwei Jahrzehnte tätig war. Seine Freude an seinen Mitmenschen, die Treue zu den Jahrmarktern zeigten sich schon früh in seiner Jugendarbeit und heute in der Verbundenheit mit uns Jahrmarktern in Deutschland. Wir danken Herbert, Hedi und Elfi für die Mithilfe am Zustandekommen dieses Berichtes.

Familie Hartmann, Herbert, Hedi, Elfriede, 194310
Familie mit Kinder und Enkelkinder

Der Name Hartmann wird im Zusammenhang mit dem Jahrmarkter Schulwesen immer in Verbindung stehen. Dankbar verneigen wir uns vor einem Leben für unsere Gemeinschaft und lassen Lehrer Franz Hartmann selbst zu Wort kommen mit seinen Aufzeichnungen: